Auf ein Wort mit den Corona-Mächtigen

Mona Siegel

Jetzt will ich mich mal wieder zu Wort melden und meinem Unmut Luft machen! Alle Welt spricht von Respekt, Bemühen um wechselseitiges Verstehen, Dialogbereitschaft. Und was erlebe ich allmorgend- und abendlich? Nur zu diesen Zeiten nämlich habe ich ein offenes Ohr für das was in der Welt so vor sich geht: selbstverordnetes Medienfasten.

Das hab‘ ich vor Monaten so entschieden – mehr bekommt mir nicht. Also was hab‘ ich zu meckern? Dafür kehr‘ ich mal am besten vor der eigenen Haustür – hier in D.
Nicht genug, dass wir alle von der Coronavirus-Plage heimgesucht sind. Dass nun dieses Jahr auch noch große politische Wahlen anstehen scheint mir eine kaum erträgliche Koexistenz. Politiker jedweder Couleur haben die Wahlkampfarena betreten, bringen sich in Stellung um die begehrten Machtposten. Das macht man –Männer wie Frauen– gerne auch auf Kosten der potenziellen KonkurrentInnen. Da kommt die Coronakrise mit all ihren Unwägbarkeiten gerade recht und bietet reichlich Angriffsfläche. Wechselseitig wirft man sich die vermeintlichen Unzulänglichkeiten vor, so als wäre man selbst frei von solchen. Gerade kommt mir die Frage in den Kopf, ob der Ellenbogengruß an der vernehmbaren Ellenbogenmentalität beteiligt sein könnte. Für die Pandemie gab und gibt es keinen (Notfall-)Plan – das ließe ich mir als Vorwurf der Unterlassung noch gefallen. Allerdings: dabei säßen dann alle, von links nach rechts, im gleichen Boot. Diejenigen, die nun dieses Boot in unwegbarem Gewässer zu manövrieren haben verfügen über je eigene Expertisen – mit Wahrheiten, Verlässlichkeiten, geschweige denn Hellsichtigkeiten ist jedoch keine(r) gesegnet. Also bitte: Werft gemeinsam alles vorhandene (=begrenzte) Wissen in eine Waagschale und führt einen respektvollen konstruktiven Austausch über Lösungen, die dem Wohle aller dienlich erscheinen.

Apropos Austausch: Ich frag‘ mich schon seit einigen Monaten, warum es nicht möglich ist, die BürgerInnen dieses Landes in diesen entscheidungsbildenden Prozess direkt miteinzubeziehen. Warum werden die Corona-Gipfel jedweder Art, zuletzt der nationale Impf-Gipfel (1. Feb. 2021), hinter verschlossenen Türen abgehalten? Dies derweil das Volk ungeduldig darauf wartet, dass doch endlich der Rauch aufsteigen möge. Dass die Delegierten das Ende des Gipfels verkünden und hoffentlich nachvollziehbare Resultat proklamieren. Dies geschieht dann in eigens dafür eingerichteten Pressekonferenzen. Dieses Kondensat wird dann, nochmals medial reduziert zu kleinen Fastfood-Häppchen, dem Volk top-down als Mahlzeit gereicht.

Warum wiederholt sich diese intransparente Prozedur von Gipfel zu Gipfel,  obwohl es dabei, wie wieder und wieder betont wird, um nichts weniger als den Eingriff in Freiheitsrechte geht? Wen wundert dabei die zunehmende Non-compliance und gesellschaftliche Spaltung? Es wäre doch sicherlich problemlos möglich die Gipfel im TV und online live zu übertragen – die Beratungen öffentlich zu führen – barrierefreier Zugang zu den Konferenzräumen zu ermöglichen! In digitalen Zeiten sind die technischen Möglichkeiten hierfür schier unbegrenzt.
Das hätte gleich mehrere Vorteile: Ich könnte mir ein eigenes Bild der Lage machen. Ich könnte mir ein eigenes Bild der Personen machen, die dieses Land regieren – ungefiltert, ungeschminkt. Wie ist deren Streitkultur? Vertrauens- und Meinungsbildung nennt man das wohl. Sicherlich auch ein probates Mittel die klaffende Legitimationslücke zu füllen und die Demokratiemüden aus ihrem allzu langen Dornröschenschlaf zu erwecken – Demokratie auf der Höhe der Zeit! Und das im Wahljahr 2021 – ungeahnte Möglichkeiten der Befähigung und Ermunterung zum politischen Handeln – ungenutzt. Gerade springt mir die gläserne Kuppel des Reichstages vor mein inneres Auge – ein begehbarer öffentlicher Raum, ein Symbol der Volksnähe und der Zerbrechlichkeit der Demokratie (vgl. hier)

Ich warte geduldig darauf, dass einer der schlauen Köpfe diese Form der Bürgerbeteiligung in den öffentlichen Raum stellt – vor lauter Bäumen den Wald in all seiner Schönheit wieder entdeckt und achtet und handelt! Eine lebendige politische Kultur braucht stete Achtsamkeit und fortwährendes Bemühen um Erhalt. Und ich hoffe, dass diese politisch um- und weitsichtige Einsicht mein weltoffenes Ohr früh an einem der kommenden Morgen erreicht – Demokratie reloaded!

Ein Kommentar zu “Auf ein Wort mit den Corona-Mächtigen

  1. Liebe Mona, mir gefällt dein Beitrag sehr und ich fühle mich durch deine Worte bestätigt und stimmig verbunden. Ich denke, gelebte Demokratie fängt genau da an, wo das Vertrauen und der Mut seine Heimat haben: Meinungen in Worte fassen und sich zu zeigen.

    In meiner täglichen Praxisarbeit erlebe ich (zwar immernoch im stillen Kämmerlein), dass mittlerweile bei jeder Sitzung über die undurchsichtige Politik gesprochen wird. Dahinter der Wunsch nach Transparenz und Hoffnung.

    Ich selbst, bin nicht zur Gänze unzufrieden mit „der Corona-Politik“, sie ist allerdings verbesserungswürdig. Da wünsche ich mir mehr Selbstkritik und auch Mut zur Hilflosigkeit der verantwortlichen Personen. Ich erwarte keinen perfekt ausgearbeiteten Plan, sondern habe das Gefühl es wäre jede Menge Potential „im Land“ noch mehr gute CORONA-LÖSUNGEN gemeinsam zu finden bzw. zu entwickeln. Dabei geht es mir darum alle Personengruppen im Land zu berücksichtigen und den Fokus auf den Schutz aller Bürger zu legen (und darüber hinaus zu denken – weltweit). Ich denke da vorallem an die Personen, die gerade mit den „Nebenwirkungen“ und ihren massiven Folgen durch die momentanen Maßnahmen in Kontakt kommen.

    Wie könnte das aussehen? Ein Bürgerbegehren vielleicht? Es würde mir ein Gefühl von wahrgenommen werden, als Bürger in einem demokratischen Land vermitteln, meine Selbstwirsamkeit erhöhen und mir Perspektive geben. In Bayern habe ich das damals bei der Kampagne „Rettet die Bienen“ erlebt, wieviel Kraft von einer gemeinsamen Vision ausgehen kann und wie dies direkt den Kurs der „Politik“ verändert. Das war beeindruckend.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: