INS VERTRAUEN FINDEN

Mona Siegel (Ko-Initiatorin und Teilnehmerin)

Eine Erkundungsreise liegt hinter uns – sechs Monate in denen wir gemeinsam – immer wieder aufs Neue – der C-Krise mit salutogenetischer Orientierung begegnet sind. Prozessbegleitet von Theodor Dierk Petzold haben wir allerhand hilfreiche und ermutigende Erfahrungen machen können. Nun am Ende unserer Reise haben wir diese, unter dem Titel Ins Vertrauen finden konzeptioniert: Eine Lernreise in sechs Schritten, die von geschulten SalKom®-AbsolventInnen angeboten werden kann. Das Ziel: Die Angst an die Hand nehmen und sich zum Lebendigen hin öffnen – trotz der Angst und Unsicherheit dem Leben vertrauen. Vertrauen – ein so geläufiges Wort mit unendlich vielen Facetten, wie der Beginn unserer Reise (s. 1. Etappe) das eindrücklich zeigt. Jede(r) Einzelne trägt sowohl sein je eigenes Verständnis von Vertrauen mit sich, als auch seine/ihre je eigenen Vertrauensquellen.

INS VERTRAUEN FINDEN
Warum ist Vertrauen als zentrale Gemütsverfassung so elementar? Das Verharren in der Angst hält den Stress erzeugenden Abwendungsmodus aktiv und führt uns immer noch mehr in die Enge (Angst, lat. angustus = Enge). Im Vertrauen sind wir positiv gestimmt und zu aufbauendem Verhalten motiviert. Finden wir darüber hinaus noch zu Gelassenheit, können wir unsere (persönliche) Stimmigkeit befragen und ihr folgen – die bestmögliche Ausrichtung auf gesunde Entwicklung.

INS VERTRAUEN FINDEN
Was braucht es dafür? Es braucht den offenen Austausch: Empathisches Zuhören und Gesagtes stehen lassen. Vor allem dann, wenn sich aufgrund von Befremdlichem und Andersartigem Widerspruch meldet: Keine Diskussionen – nur Fragen zum Verständnis. Was dabei u.U. entstehen könnte, wäre ein Gefühl der Allverbundenheit in der Diversität – Brücken bauen anstatt Grenzen ziehen! Es ist diese Qualität des Austausches, die dem Wunsch nach Fortsetzung der gemeinschaftlich aufbauenden Erfahrungen zugrunde liegt: sich vertrauensvoll mitteilen und im So-miteinander-Sein zu je eigenen stimmigen Entscheidungen finden – jenseits von richtig oder falsch!

Also werden wir uns weiterhin treffen. Zunächst wollen wir noch einmal bei der C-Krise bleiben und uns fragen: Was hat die C-Krise bei mir bewirkt und was bewirkt sie ggf. weiterhin? Auf mehrfachen Wunsch soll dabei auch die spirituell-universelle Dimension der Krisenerfahrung Raum haben – die Frage nach dem (etwaigen) Sinn, gegebenenfalls auch als geistige Ressource!? In einer ersten Diskussion, was denn überhaupt unter dem Begriff der Spiritualität zu verstehen sei, wurden bereits die auseinanderstrebenden Kräfte dieser Dimension erkennbar! Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass der Wunsch, sich darüber austauschen zu wollen, erst nach einer vertrauensbildenden Phase von sechs Monaten artikuliert werden konnte. Umso mehr gilt: Zuhören und Gesagtes stehen lassen (s.o.).

Damit wollen wir unsere Erkundungen mit Fokus auf die C-Krise abschließen und im 8-Wochen-Rhythmus mit dem Salutogenic Reflecting Team (SRT) fortsetzen. SRT ist eine Methode der Supervision, bei der die Kompetenzen aller Beteiligten angeregt werden, sich entfalten und weiterentwickeln können und zur ko-kreativen Wirkung kommen. Die verallgemeinerte Frage hierfür lautet: Was könnte dem betroffenen Subjekt (dem Klienten) bzw. dem Meta-Subjekt (der Gruppe, der Gesellschaft, der Biosphäre etc.) guttun? Eine dem entsprechende chaostheoretische Vorstellung geht davon aus, dass die entwicklungsfördernde Lösung in einer informativen metaphysischen Wirklichkeit (als Attraktor/Attraktiva) bereits existiert und im schöpferischen Gruppenprozess Gestalt annehmen kann (vgl. KoRa, in: DER MENSCH 58/2019 Resonanzen). Sowohl Fälle wie auch Themen (aus Politik, Gesellschaft, Bildung etc.) können zum Gegenstand werden. Das Ziel: Die weitergehende Professionalisierung von SalKom® (im Sinne eines Qualitäts-Entwicklungszirkels) sein. Das Wesentliche: Von der Lösung her denken und Offenheit für Experimentelles und Unerwartetes.


Man muss noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern gebären zu können

(aus F. Nietzsche: Also sprach Zarathustra)

Stößt du bei deiner Annäherung auf Hindernisse? Wie kannst du mit diesen kreativ umgehen?

TeilnehmerInnen-Stimmen:

Meine Reflexion dazu: ich bin mutig, meiner inneren Stimme zu folgen und tue, was sich für mich stimmig anfühlt. Ich habe gelernt auf die ersten Impulse in mir zu achten und diesen zu folgen, durch die positive Erfahrung (gute Rückmeldungen, Feedback) wächst zum einen mein Mut mich noch mehr zu trauen und zum anderen erlebe ich, dass ich diesen ersten Impulsen noch mehr vertraue und ihnen mehr Gewichtung gebe. … Ein Wunsch an mich: Ich vertraue meiner Tat-, Schubkraft genauso wie meiner Ruhekraft…

Wie ich Selbstwirksamkeit entfalte: Ich sehe mich aufgrund meiner schriftlichen Kommunikationsfähigkeit und dem Wissen um die auf gesunde Entwicklung ausgerichtete Gesprächsführung als Vermittlerin:
* In der Online-Lehre zwischen Studierenden und Dozierenden
* Zwischen Mensch und Natur
* Selbstwirksamkeit erfahre ich auch im Austausch mit Gleichgesinnten.
* Was für mich aufgrund mangelnder Einsicht und mangels fachlichem Verständnisses z.Zt. nicht handhabbar erscheint, ist die Impfentscheidung. Ich tendiere inzwischen dazu, der Urteilsheuristik der Masse zu folgen, anstatt meiner inneren Stimme. Inzwischen kann ich aber auch nicht mehr differenzieren: Ist es meine Angst vor der Ungewissheit bzgl. der Impffolgen oder eine tatsächliche innere Unstimmigkeit? Was wäre eine vernünftige Entscheidung, mit der ich Verantwortung übernehme und auch in Zukunft gut leben kann?

• Ich finde es wichtig trotz Vorgaben und Einflüsse von „außen“ nach innen zu schauen: auf die eigene Stimmigkeit und auf das, was Vertrauen weckt.
• Das heißt: Autonom sein, bleiben und darum ringen. …
• Dazu gehört auch, nach dem zu schauen, was schon da ist → Ressourcen. …
• Wichtig ist mir, diese Kohärenz auch in der spirituellen Ebene kontinuierlich zu verankern. (Praktiken, Riten…)

Diverse kulturelle Systeme (Medien, Politiker, Institutionen etc.) verstärken seit rund anderthalb Jahren massiv ein Klima der Angst. Ihre Motive mögen unterschiedlich sein, im Effekt wird diese Angst aber dazu genutzt, um Kontrolle und Zwang in vielen Lebensbereichen durchzusetzen. … Um kulturell wirksam werden zu können, gilt es zunächst die Muster zu stoppen und die Angst zu distanzieren. Zwei Wege bieten sich dazu an: Reflexion (Realitätscheck) und Vertrauen. …
Zweitens nenne ich die politischen Maßnahmen, die ich als wirklich bedrohlich einschätzte, auch beim Namen, lasse mich also nicht von dem Framing einschüchtern. Eine Analogie ist vielleicht das Märchen vom Rumpelstilzchen: Der Dämon verliert seine Macht, als er bei seinem Namen genannt wird. Zugleich wurde es leichter, Möglichkeiten zu sehen, diesen Gefahren zu begegnen. …
Vertrauen entwickeln konnte ich allerdings durch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit – individuell, indem ich meine Ressourcen nutze, z.B. meine Analysefähigkeit, und kollektiv durch Austausch mit anderen Menschen. …
Letzteres (Kohärenzgefühl) kann ich auch stärken, indem ich im Sinne eines Reframings Geschehnisse aus einer anderen Perspektive betrachte und neu bewerte. Wir lernen am besten durch eigene Erfahrungen, die wir reflektieren. Ich habe in den letzten Monaten Einsichten gewonnen, die ich ohne diese Ereignisse nicht bekommen hätte. Im Sinne einer Bewusstseinsentwicklung als Lebens-Soll kann ich sie deshalb auch als ein Geschenk begreifen.

Wenn wir dankbar sind, geben wir der Angst weniger Raum! … Oft hilft mir eine einfache Frage: Wofür bin ich dankbar?
z. B.: In meinen Beziehungen von:
Mensch zu Mensch
Mensch zu Tier
Mensch zur Natur
Mensch zum Spirituellen
Ich kann Dankbarkeit empfinden für Vergangenes, selbst für herausfordernde, schwierige Zeiten
.

Ich praktiziere es verstärkt, bei meinen Begegnungen aus jedem Lebensbereich, bewusst andere Themen als Corona anzusprechen. Nach dem Motto: Es gibt auch noch etwas anderes in unserem Leben, das mindestens so wichtig ist.
Es hilft mir auch, mich ehrlich, aber auch offen für andere Meinungen zu äußern. Dabei versuche ich bei mir zu bleiben und den Respekt für mein Gegenüber und dessen Meinung zu behalten, ggf. auch explizit zu machen. Das gibt mir das Gefühl im Dialog bleiben zu können.
Es war auch wichtig für mich, zunächst für mich meine Position zur Impfung klar zu erfassen. Ich bin bereit diese zu Vertreten und auch ggf. die Konsequenzen zu tragen.
Je klarer ich für mich bin (in diesem Thema), um so unabhängiger fühle ich mich. Damit empfinde ich mich selbstmächtig.

Was hast du in unserem kommunikativen Prozess gelernt?

Was TeilnehmerInnen auf diese Frage antworteten:

Für mich stellen die Meetingtermine eine feste Größe dar, die mir in dieser Pandemie-Zeit eine psychische Stabilität geben. Hier kann ich vertrauen, so sein wie ich bin, meine Positionen überprüfen und mich ggf. neu ausrichten. … . Ein neuer Möglichkeitsraum hat sich aufgetan, sich zu vernetzen, auszutauschen, dabei meine Autonomie wahren und die Autonomie der Anderen wahren. Überprüfen des eigenen Standpunktes um sich wieder neu zur Mitte hin auszurichten (Sowohl-als-Auch). Gelernt habe ich weiterhin, dass alles was in dieser Gruppe als kokreativer Prozess entstanden ist, einzigartig ist. Jeder Gruppenprozess durchläuft seinen einzigarig kokreativen Prozess.

Die gemeinsame Reflexion hat mir, insbesondere meinem Herzen gut getan. … Vertrauen, Hoffnung und den eigenen Weg mitzugestalten, wird positiv angeregt. … Mehr Menschen könnten mit den erarbeiteten Fragen in ihre seelische Gesundheit möglicherweise zurück finden.

Wie ein Schneeball- Effekt…von dort geht’s in die Familie, zum Arbeitsplatz, in den Freundeskreis.

Eine neue Art der salutogenen, vertrauensvollen Kommunikation könnte beginnen. Wie ein Stein, der im Wasser Kreise zieht, könnten mehr Kreise sich berühren.

Ein liebevolleres Miteinander kann wachsen.

Das in Kontaktgehen und im Kontaktbleiben mit relevanten Menschen ist für meine persönliche Entwicklung und Zufriedenheit sowie für das Gemeinwohl essentiell. Insbesondere in anspruchsvollen Situationen: Wie gehen Menschen bei Angst mit unterschiedlichen Meinungen / Haltungen / Klarheiten um?

Die Meetings haben mein Denken und meine Perspektiven erweitert.

Insgesamt fühlt sich mein Sein durch den Austausch in dieser außergewöhnlichen Zeit, mit vielen Fragezeichen und extrem unterschiedlichen Aussagen, weicher an.

Insbesondere das Meeting „Visionen“ führte bei mir dazu, dass ich in Wiederholung Visionen in mir erscheinen lies. Hierzu war ich mit Sandra in Kontakt. Dies hat den Vorgang noch verstärkt. Dieses Thema sehe ich als ausbaufähig an. Visionen erzeugen Vertrauen (Glaube – Liebe – Hoffnung).

Ich versuche tunlichst die Extreme zu vermeiden. Menschen, die in extreme Haltungen gehen, möchte ich mit Respekt begegnen, allerdings erlaube ich mir inzwischen auf eine gesunde Distanz zu gehen.

Es wird immer wieder mal vorkommen, dass ich den Bereich Harmonie/Stimmigkeit verlassen werde. Mein Anliegen ist, dieses Verlassen unmittelbar zu spüren, damit ich durch mein Dazutun wieder in eine mögliche Stimmigkeit komme.

Was willst und kannst du tun, um dich deiner Vision anzunähern?

Als Einstimmung diente die (zusammengefassten) Ergebnisse der 2. Etappe in Form einer geleiteten Imagination mit dem Leitsatz: „Stell dir vor in 20 Jahren, du bist die Veränderung, die du für dich und die Welt wünschst.“

Im Anschluss an die Imagination erfolgte der Austausch zur Frage „Was willst und kannst du tun, um dich deiner Vision anzunähern?“. Nachfolgend findest Du die ANTWORTEN DER TEILNEHMERINNEN:

In Beziehung zu Menschen treten ist mir ganz wichtig, zu mir selber, zur Natur alles hat Platz, das hat etwas wie Offenheit. Ich sehe mich dadurch als Suchende nach einer liebenden Haltung. Diese Erkenntnisse sind für mich durch alle diese Ebenen hindurch gegangen.

Mein kurzfristiges Nahziel: ich wünsche mir, dass ich mit der Technik besser klarkomme. Ich kann mir eine Vertiefung vorstellen vielleicht auch mit einer Gruppe. In Vorbereitung auf heute war in mir -das Ziel des Pariser Abkommen- , diese Ziele 2041 übertroffen zu haben.
Die Herausforderung ist, daß mir bewusst wird was ich fühle und möchte, für mich, meine Lieben und die Menschheit das was andere auch möchten. Mich beschleicht oft der Zweifel wie sich unsere Werte entwickeln und geliebt wird und was andere Menschen für Werte haben, anders ist als ich denke dass das schön wäre. Oft sind in Diskussion die materiellen Werte, an was messen wir uns?

Mein Lernprozess: Wie kann ich trotz Abwendungsimpulsen innerlich wieder in einen Annäherungs- und auch Kohärenzmodus kommen? … Am meisten hat mich die Selbstsorge angesprochen: dass ich meine Kohärenz spüre, bewahre und zugleich weiterentwickele – und damit auf mein Umfeld ausstrahle. Diese Selbstwirksamkeit ist mir wichtig. Ich möchte mein nahes Umfeld neu gestalten. In meinem jetzigen Umfeld ist das Vertrauen weitgehend zerstört. … . Ich möchte mich auf die Sachen konzentrieren, die ich noch beeinflussen kann. Ein neues, selbst gestaltetes Umfeld ist im Moment das Projekt, das ich stark angehe. Eine andere, laufende Sache, mit der ich vielleicht auch in die Kultur hinein wirken kann, will ich vorher noch abschließen. … Vor allem Natur ist unglaublich wichtig geworden, aber auch das Universelle, das über das Globale hinaus geht, selbst über die Biosphäre, die ja auch mit der Erde verbunden ist. Das ist eine Dimension, mit der ich immer wieder in eine stimmige Resonanz gehen kann. Ich bin noch am Üben, wie das noch besser gelingen könnte. Das ist eine positive Erfahrung, die ich im Moment mache und die mir sehr hilfreich ist.

Die Selbstfürsorge begleitet mich seit Jahren und sie wird mich bis zum letzten Atemzug beschäftigen. Die Natur, ich bin viel in der Natur, ich bin kurz nach fünf aufgestanden und hab Kartoffeln in die Erde hinein gelegt, die Kartoffeln müssen hinaus und ich habe eine Kraft bekommen, die Verbindung mit der Natur und dem Universum. Was möchte ich noch tun? Aufräumen in mir, schauen was stimmt nicht, wo bin ich noch mit jemanden im Knatsch, wo kann ich mich noch versöhnen.

Ich studiere im dritten Semester Soziale Arbeit. Ich hatte schon vor Corona diverse Visionen, was ich gerne erreichen möchte für die Welt. Mein Ziel ist in Frieden und Harmonie mit mir selbst und der Welt zu sein. Ich habe das Gefühl, dass diese Unruhen überall – auch in mir selbst- sind. Das hat mich motiviert eine Art „Weltsingen“ auf den Weg zu bringen…. Jeder kann mitmachen. Ich fand die Idee so schön, weil man beim Singen ja keine Angst empfinden kann und dann mal für einen Moment aus dem Angst Modus herauskommt…

Klarheiten schaffen: ich habe letztes Jahr mein Haus und meinen Garten aufgeräumt und entrümpelt, ich mache das jetzt noch mal intensiver als vorher und bin mir bewusster geworden- was brauche ich wirklich? … dass ich nur noch die Dinge in meinem Haus, in meinem Garten haben möchte, die mir Kraft bringen. Und mit dieser Kraft und aufgeräumt sein, trete ich im wahrsten Sinne vor die Tür…

In einer Mischung von Resignation und Trauer und unguten Gefühl geht es darum, dass man sich gegenseitig aufbaut zusammen Meditation macht, das wir gucken, was machen diese Nachrichten mit uns und wie können wir trotzdem in Frieden bleiben… Und die Verbindung mit der Natur , ist das was wirklich gut tut oder mit lieben Menschen das ist ne Sache, die helfen einem.

Morgen startet Studio S, steht für Stimmigkeit und Salutogenese & Sandra, ein online Studio, über stimmige Themen- zum Körper, die Salutogenese… ich habe Interviewpartner und bin seit Wochen beflügelt. Ich habe mir in den letzten Wochen und Monaten den Wunsch erfüllt, ich habe das Bedürfnis im kulturellen Bereich etwas beizutragen. … Ich versuche die Technik und die Natur zusammen zu bringen.

Ich sehe die Zukunft oft düster und angstvoll, vor allem im nahen mitmenschlichen Bereich. Das hat mich im letzten Jahr dazu bewogen mich mit Menschen zu verbinden, die so ähnlich denken salutogen denken und sich auch mit Nachhaltigkeit und Ressourcen Schonung beschäftigen und ich habe gestern Abend dazu eine Hypnosearbeit mit mir selbst gemacht, um in diese Ebenen zu kommen und ich kann das sehr gut über das Unterbewusstsein. In der Gedankenwelt fühle ich mich zu sehr gestört, auch durch meine Patient:innen und durch mein Umfeld. … durch die Natur, durch die Wasserfälle, das Wasser, das Licht, die Farben. Zurück auf der „Insel der Visionen“ gestaltet sich das neue Leben, die neuen Gedanken. Es entwickelt sich dort die neue, friedliche , kreative, liebende, spielerische, leichte, geistreiche Welt unter den dort lebenden sich Wohlgesinnten.

Für mich ist es gerade ´das Kleine`. Ich spüre, über meine eigene Wahrnehmung kann ich von mir selber Verbindungen herstellen. Es passieren mir gerade sehr interessante und auch lustige Sachen, zum Beispiel das Bedürfnis Pop Songs zu hören im Radio und dann tanze ich morgens zum Pop Song um den Tisch herum. Der Tag fängt dann schon ganz anders an. Ich bin auch Musikerin und jetzt singe ich für mich, ich singe gregorianische Psalmen. Das tu ich für mich. … Ich habe dabei eine unglaubliche Verbundenheit gespürt und genau das sollte Platz kriegen. … Da geht es mir auch um eine Stimmigkeit mit mir selber und meiner Wahrnehmung, meinen Ressourcen und dem Guten was ich in die Welt bringen möchte.

Das Vernetzen woanders und im Kopf frei zu sein etwas anderes zu denken an einem anderen Ort.

Ich fand es schön, dass es durch ein Gespräch mit meiner Tochter in der nächsten Generation weitergeht und welche offenen Türen sie erlebt hat und alle waren begeistert.

Je mehr ich in Kontakt mit mir bin, bin ich auch in Kontakt mit den anderen mit Menschen. Die Selbstfürsorge: ich gucke nachhaltig, was tut mir gut.

Visionen für eine lebenswerte Gesellschaft

Stell dir vor: es sind 20 Jahre vergangen – wir schreiben das Jahr 2041

…Selbstfürsorge

Du hast so gut für dich selbst gesorgt, dass du die Veränderung geworden bist, die du dir für die Welt gewünscht hast und weiterhin wünschst

Du hast Deine Selbstwirksamkeit Dein (Selbst)Vertrauen gestärkt

Du lebst in Frieden und Harmonie mit Dir und der Welt – bist zufrieden und dankbar

In Deinem Bewusstsein ist die Dualität von Ich und Welt aufgehoben

…Unsere nahen Mitmenschen

Wir kommunizieren miteinander über unsere Bedürfnisse und Anliegen und alles, was uns bedeutsam ist

Wir hören mitfühlend und achtsam zu

Wir unterstützen uns wechselseitig

Wir haben Vertrauen zueinander und miteinander

Wir leben in Einklang mit der Natur

Wir haben Zeit und Muße

…Kultur

Wir leben in einer großen Vielfalt, die wir mit offenem Geist achten, tolerieren und wertschätzen

Die Weisheit der Vielen kann sich entfalten und wird wertgeschätzt

Wir entfalten Kokreativität – auch mit salutogener Kommunikation – auch in Kommune und Politik

Die Gesellschaft ist gerechter, Werte entwickeln sich und werden gelebt

Wir haben unser Vertrauen in Institutionen durch Erfahrung geschärft

Es gibt einen ehrlichen und transparenten Journalismus

…global geistig

Wir tauschen uns mit anderen Kulturen und Völkern aus

Die Unterschiedlichkeiten regen Neugier und Toleranz an

Wir haben zunehmend eine Sensibilität für unsere und auch andere Sprachen entwickelt, wodurch die Kommunikation bewusster wird

Wir sind (auch) global in Resonanz mit der Natur und der Biosphäre

Wir sind dankbar für die Veränderungen in der Welt, die wir mitgestaltet haben und in der wir alle gut leben

Auf ein Wort mit den Corona-Mächtigen

Mona Siegel

Jetzt will ich mich mal wieder zu Wort melden und meinem Unmut Luft machen! Alle Welt spricht von Respekt, Bemühen um wechselseitiges Verstehen, Dialogbereitschaft. Und was erlebe ich allmorgend- und abendlich? Nur zu diesen Zeiten nämlich habe ich ein offenes Ohr für das was in der Welt so vor sich geht: selbstverordnetes Medienfasten.

Das hab‘ ich vor Monaten so entschieden – mehr bekommt mir nicht. Also was hab‘ ich zu meckern? Dafür kehr‘ ich mal am besten vor der eigenen Haustür – hier in D.
Nicht genug, dass wir alle von der Coronavirus-Plage heimgesucht sind. Dass nun dieses Jahr auch noch große politische Wahlen anstehen scheint mir eine kaum erträgliche Koexistenz. Politiker jedweder Couleur haben die Wahlkampfarena betreten, bringen sich in Stellung um die begehrten Machtposten. Das macht man –Männer wie Frauen– gerne auch auf Kosten der potenziellen KonkurrentInnen. Da kommt die Coronakrise mit all ihren Unwägbarkeiten gerade recht und bietet reichlich Angriffsfläche. Wechselseitig wirft man sich die vermeintlichen Unzulänglichkeiten vor, so als wäre man selbst frei von solchen. Gerade kommt mir die Frage in den Kopf, ob der Ellenbogengruß an der vernehmbaren Ellenbogenmentalität beteiligt sein könnte. Für die Pandemie gab und gibt es keinen (Notfall-)Plan – das ließe ich mir als Vorwurf der Unterlassung noch gefallen. Allerdings: dabei säßen dann alle, von links nach rechts, im gleichen Boot. Diejenigen, die nun dieses Boot in unwegbarem Gewässer zu manövrieren haben verfügen über je eigene Expertisen – mit Wahrheiten, Verlässlichkeiten, geschweige denn Hellsichtigkeiten ist jedoch keine(r) gesegnet. Also bitte: Werft gemeinsam alles vorhandene (=begrenzte) Wissen in eine Waagschale und führt einen respektvollen konstruktiven Austausch über Lösungen, die dem Wohle aller dienlich erscheinen.

Apropos Austausch: Ich frag‘ mich schon seit einigen Monaten, warum es nicht möglich ist, die BürgerInnen dieses Landes in diesen entscheidungsbildenden Prozess direkt miteinzubeziehen. Warum werden die Corona-Gipfel jedweder Art, zuletzt der nationale Impf-Gipfel (1. Feb. 2021), hinter verschlossenen Türen abgehalten? Dies derweil das Volk ungeduldig darauf wartet, dass doch endlich der Rauch aufsteigen möge. Dass die Delegierten das Ende des Gipfels verkünden und hoffentlich nachvollziehbare Resultat proklamieren. Dies geschieht dann in eigens dafür eingerichteten Pressekonferenzen. Dieses Kondensat wird dann, nochmals medial reduziert zu kleinen Fastfood-Häppchen, dem Volk top-down als Mahlzeit gereicht.

Warum wiederholt sich diese intransparente Prozedur von Gipfel zu Gipfel,  obwohl es dabei, wie wieder und wieder betont wird, um nichts weniger als den Eingriff in Freiheitsrechte geht? Wen wundert dabei die zunehmende Non-compliance und gesellschaftliche Spaltung? Es wäre doch sicherlich problemlos möglich die Gipfel im TV und online live zu übertragen – die Beratungen öffentlich zu führen – barrierefreier Zugang zu den Konferenzräumen zu ermöglichen! In digitalen Zeiten sind die technischen Möglichkeiten hierfür schier unbegrenzt.
Das hätte gleich mehrere Vorteile: Ich könnte mir ein eigenes Bild der Lage machen. Ich könnte mir ein eigenes Bild der Personen machen, die dieses Land regieren – ungefiltert, ungeschminkt. Wie ist deren Streitkultur? Vertrauens- und Meinungsbildung nennt man das wohl. Sicherlich auch ein probates Mittel die klaffende Legitimationslücke zu füllen und die Demokratiemüden aus ihrem allzu langen Dornröschenschlaf zu erwecken – Demokratie auf der Höhe der Zeit! Und das im Wahljahr 2021 – ungeahnte Möglichkeiten der Befähigung und Ermunterung zum politischen Handeln – ungenutzt. Gerade springt mir die gläserne Kuppel des Reichstages vor mein inneres Auge – ein begehbarer öffentlicher Raum, ein Symbol der Volksnähe und der Zerbrechlichkeit der Demokratie (vgl. hier)

Ich warte geduldig darauf, dass einer der schlauen Köpfe diese Form der Bürgerbeteiligung in den öffentlichen Raum stellt – vor lauter Bäumen den Wald in all seiner Schönheit wieder entdeckt und achtet und handelt! Eine lebendige politische Kultur braucht stete Achtsamkeit und fortwährendes Bemühen um Erhalt. Und ich hoffe, dass diese politisch um- und weitsichtige Einsicht mein weltoffenes Ohr früh an einem der kommenden Morgen erreicht – Demokratie reloaded!

Musterunterbrechungen sinnvoll nutzen

Theodor Dierk Petzold & Mona Siegel

Der Frühling ist vorüber – das Thema Corona noch nicht. Jetztzeit ist Sommerzeit – Zeit für eine Besinnung und Reflexion der Erfahrungen und einen Ausblick.

Weltweit und fast gleichzeitig wurden die meisten Menschen im Corona-Frühling aus ihrem gewohnten Alltagstrott herausgerissen. Der war bis dahin weitestgehend von ökonomischen Bedingungen inklusive Beschleunigungsprozessen bestimmt. Die Musterunterbrechungen im Corona-Frühling brachten für viele mehr und anderes als nur Entschleunigung – für manche das Gegenteil. Die negativen Folgen der Corona-Krise und die damit verknüpften Leiden, Ängste und Sorgen haben in den letzten Monaten sehr viel Raum eingenommen. Jetzt und hier wollen wir uns mehr mit den positiven Aspekten und Chancen befassen.

Wozu kann uns die verordnete Musterunterbrechung dienlich sein?

Hier lohnt es sich genauer hinzuschauen, denn in der Unterbrechung alltäglicher Verhaltensmuster liegt die Chance für zukunftsfähige Neuanfänge. Für kreatives Mitgestalten eines guten Lebens – für uns und unsere Mitmenschen weltweit.

Geschenkte Corona-Frühlingszeit, endlich mal Zeit haben, die nicht verplant ist: Zeitwohlstand. Frische Luft, klares Sonnenlicht und kräftig leuchtende Farben in der Natur als Folge des Lockdowns. Innehalten und Annehmen der gegebenen Unterbrechung –  Gelassenheit entfalten und stimmige Verbundenheit in der Vielfalt globaler Beziehungen suchen.

Viele haben aufgeräumt. Viele sind kreativ geworden. Sehr vielen ist mehr und mehr bewusst geworden: Alle Menschen auf  unserem Heimatplaneten Erde sind vom selben Virus betroffen. Die globale Verbundenheit wurde immer deutlicher auch fühlbar. Zunächst im resonanten Leiden unter der Virus-Infektion und unter den wirtschaftlichen Folgen. Zunehmend nun auch in einer zukunftsweisenden attraktiven Zielorientierung: der Wohltat für die Atmosphäre und Biosphäre; der Besinnung auf leitende Werte des Mensch-Seins: eines bewussteren achtsamen Umgangs im sozialen Miteinander – im Leben wie beim Sterben, der gegenseitigen Hilfe unter respektvoller Wahrung autonomer Entfaltung und noch manch anderes mehr.

Alle diese Wünsche und Tendenzen gab es auch schon vor dem Corona-Frühling – noch weitestgehend im Winterschlaf verfangen. Mit Corona haben sie im Frühling gekeimt und die Erdkruste durchbrochen. Dies mit Hilfe der Angst vor Corona-Infektionen und der Angst der politisch Verantwortlichen vor vermeintlichen Fehlentscheidungen. Es folgten Musterunterbrechungen, die im Winter noch kaum denkbar waren. Wertigkeiten jenseits der Ökonomie fanden und finden im Öffentlichen wie im Privaten Raum zur Diskussion, z.B. die Wertschätzung systemrelevanter sozialer Berufe, ökologische Perspektiven, Leben und Sterben, gesundheitsverträglichere Arbeitsbedingungen, Freiheit und gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Mut machend ist in der Tiefe die Hoffnung gekeimt, dass im Zeitwohlstand ein Bewusstsein über gutes menschliches Leben, sozial, gesellschaftlich und global, gewachsen ist und weiter wächst. Ein Bewusstsein auch darüber, was es bedeutet, Menschen und Institutionen zu vertrauen und Glauben zu schenken oder zu entziehen. Wo möglich gedeihen gegenwärtig Visionen vom guten Leben, die der Ökonomie den rahmenden Maßstab geben, und die unser Kooperieren in unseren alltäglichen Partnerschaften sowie das der  Regierungen weltweit leiten.

Jetzt hat der Sommer begonnen. An der Oberfläche sichtbar sind viele – auch widerstreitende – Interessen: soziale, ökonomische, ideologische und (geo)politische. Noch wächst die Saat und es ist zu früh, von einer Ernte zu sprechen.

Wenn die zahlreich hoffnungsvollen, zarten menschlichen Pflänzchen sich weiter entfalten, könnten wir sagen, dass wir mit Corona und den politischen Maßnahmen etwas zukunftsweisend Nachhallendes gelernt haben. Auch wenn es bis zur Ernte möglicherweise mehr Zeit brauchen sollte als nur bis zu diesem Herbst: Die Samen sind am Keimen und werden Früchte tragen. Im Herbst und Winter wird die Aussaat  in fruchtbarem Boden Verbindung finden, bereit um im nächsten Frühjahr vermehrt aufzugehen. Diese Hoffnung trägt und leitet unser Denken und Tun in diesen Tagen – eine menschliche Weltverbundenheit ist möglich!
Hoffnung und Vertrauen sind ansteckender als das Corona-Virus.

Kooperieren – nicht nur in der C-Krise

Theodor Dierk Petzold

Auch wenn Krisen schon länger in verstärktem Maße im Gespräch sind: Finanzkrise, Umwelt-Klimakrise, Sinnkrise u.a., ist durch die Corona-Krise jetzt der Krisenmodus hautnah und weltweit spürbar. Das Positive an Krisen scheint immer wieder zu sein, dass Menschen dann näher zusammenrücken, stärker zusammenarbeiten und sich gegenseitig mehr helfen als sonst. In der Not wird unser neuropsychisches Abwendungssystem, das mit Angst verknüpft ist, angeschaltet, um kurzfristig alle Kräfte zum Abwenden der Gefahr zu mobilisieren, auch den für sozialen Zusammenhalt. Wenn wir aber im Abwendungsmodus bleiben und die Gefahr nicht wirklich spüren, verselbständigt sich die neuropsychische Abwendungsaktivität und sucht eine dazu passende Bedrohung. Diese wird dann leicht in anderen Menschen, Meinungen, Institutionen oder Regierungen gesehen. Das führt häufig zu Macht- und Rechthabe-Kämpfen untereinander, wie aktuell schon sichtbar wird.

Meine These ist nun, dass es zur Lösung sowohl der Corona-Krise als auch der anstehenden anderen großen Krisen eine bewusste Art und Weise der Kooperation braucht, die vor allem durch attraktive Ziele für die Zeit nach der Krise motiviert ist und nicht primär durch das Abwenden einer Gefahr. Dies möchte ich hier an Hand unseres Verhaltens und unserer Möglichkeiten in der Corona-Krise skizzieren.

Kooperieren mit einer gemeinsamen Intentionalität

Recht schnell nach den Bildern von Überforderung norditalienischer Krankenhäuser haben sich die meisten BürgerInnen anders als gewohnt verhalten: haben mehr Abstand gehalten, sind weniger gereist u.a.m. Dieses Verhalten hat sich gleich in einer Umkehr  der Ansteckungsrate R gezeigt[1]. Und das noch bevor die ersten Verbote eine Wirkung zeigen konnten. Die BürgerInnen haben als großes nationales Kollektiv kooperiert – manche aus Angst, andere aus Einsicht.

Etwa zwei bis vier Wochen nach der ersten Maßnahme begann die anfängliche große Zustimmung zu den verordneten Maßnahmen langsam zu bröckeln. Die Kooperationsbereitschaft vieler Bürger mit der Regierung ließ langsam nach, und es bildeten sich zunehmend unterschiedliche Gruppierungen mit unterschiedlichen Intentionen. Den meisten, die ich mitbekomme, geht es um Rechthaben und Angst vor Verlusten – sie sind weiterhin im angstgeriebenen Abwendungsmodus.

Daneben gibt es viele Ansätze, die versuchen, positive attraktive Ziele zu formulieren, die über Corona hinausgehen, wie Visionen von sozialen Beziehungen, von Lebensgemeinschaften, neuer Architektur, mehr digitaler Homework u.a.m. Wie können wir in eine umfassendere Kooperation zum guten Leben kommen und Synergien fördern und nutzen? Uns zum Positiven vernetzen?
Einen hierfür hilfreichen Schritt sehe ich in der Reflexion eines menschlichen Interaktionsmusters, das häufig mit Retten-wollen beginnt, mit Rechthaben-wollen weitergeht und letztlich mit unmenschlichen Handlungen neue Opfer produziert.

Das Macht-Opfer-Dreieck[2]

Wenn Angst die führende Motivation ist und die verantwortlichen Persönlichkeiten aus dem Abwendungsmodus heraus denken und agieren und nur auf die eine Gefahr eingeengt schauen, produzieren sie im „Krieg gegen Viren“ Kollateralschäden: neue Opfer. Wie groß diese beim Kampf gegen Corona sind, wird langsam sichtbar: hier bei uns die sozialen und psychischen Schäden bei Kindern und Alten und die wirtschaftlichen Existenzverluste sowie eine verstärkte Hungersnot besonders in Entwicklungsländern wie in Afrika. Für diese neuen Opfer des Kampfes gegen die Coronaviren ernten die verantwortlichen Führungspersonen Vorwürfe. So fühlen diese sich als Opfer und wollen sich rechtfertigen: Sie wollten ja nur helfen.

Dieses Macht-Opfer-Dreieck bringt als Schattenmuster der guten Absicht „Leben retten zu wollen“ mit wechselnden Rollen immer neue Opfer hervor[3]. Freiwillig Opfer für eine gute Sache zu bringen, ist etwas anderes. Diese dramatische psychosoziale Eigendynamik hat in der Geschichte der Menschheit immer wieder Kriege ermöglicht.

Um in der Medizin die fatale Eigendynamik dieses Schattenmusters zu unterbinden, gibt es ethische Prinzipien ärztlichen Handelns, wie sie im Oktober 2017 vom Weltärztebund in Genf verabschiedet wurden: An erster Stelle steht das Wohlbefinden der Menschen, an zweiter Stelle die Autonomie und die Würde des Menschen und an dritter Stelle wörtlich: „Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren“. Ein solcher Respekt beinhaltet noch weit mehr oder auch etwas gänzlich anderes, als nur mit allen Mitteln Menschen am physischen Leben zu erhalten. Diese Deklaration endet mit dem Gelöbnis: „Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.“

Für die Umsetzung dieser ethischen Prinzipien braucht es Vertrauen und Mut.

Konstruktives Kooperieren im Vertrauen

In unserer neuropsychischen Organisation ist unser motivationales Kohärenzsystem[4] unter anderem dazu da, die Aktivität des Abwendungssystems zu bremsen, um wieder in eine konstruktive und vertrauensvolle Kooperation zu kommen. Mit der Reflexion, einschließlich unserer eigenen Gefühle, Motivation und Interaktionen ermöglichen wir unserem Kohärenzsystem, seine heilsame Aufgabe zu übernehmen und die Situation mit mehr Gelassenheit und umfassender Weitsicht zu betrachten. Wir – jeder für sich und viele gemeinsam –können dann Fragen nachgehen wie: Was braucht die Menschheit zum guten Leben (uns selbst eingeschlossen)? Kurzfristig – mittelfristig – langfristig? Und was wollen und können wir in unserem Umfeld und in Deutschland dazu beitragen?

Eine kreative Kooperation zur Annäherung an diese Ziele braucht Vertrauen und Mut. Ihre Quelle ist unser Urvertrauen – das, was dem Leben immanent ist, das Vertrauen mit dem ein Neugeborenes den ersten Atemzug nimmt. Mit diesem Urvertrauen[5] können wir immer wieder Kooperationen beginnen und reflektiert mitgestalten, auch wenn es Probleme, Vorwürfe, Egoismus und Kritik gibt. Wir können das Macht-Opfer-Dreieck als Schattenmuster einer letztlich gut gemeinten aber im Abwendungsmodus ausgeführten Kooperation erkennen und uns bewusst entscheiden, ob wir eine der Rollen in diesem Muster spielen wollen. Oder ob wir einen anderen Weg hin zu einer Kooperation mit einer geklärt positiven Intentionalität gehen wollen.

Dann kommunizieren wir mit unseren Mitmenschen über unsere Bedürfnisse, Anliegen, Hoffnungen, positiven Visionen. Über das, was uns positiv bedeutsam ist, wozu wir Lust verspüren, mit anderen gemeinsam zu tun – was uns und andere glücklich macht. Dann können wir uns mit den Menschen verbinden, die auch ein gutes Leben für alle Menschen anstreben, und schauen, wie jeder seinen Beitrag dazu gibt[6]. Wir kooperieren für ein gutes Leben und kultivieren derartige Kooperationen – d.h. wir pflegen diese, bauen diese aus und entwickeln sie weiter.


[1] RKI: Epidemiologisches Bulletin 17 | 2020 Online vorab: 15. April 2020

[2] https://www.gesunde-entwicklung.de/tl_files/user_upload/docs/Petzold-Macht-Opfer-Dreieck.pdf

[3] Dieses Kommunikationsmuster wurde in seinem Kern schon 1968 von Karpman als Dramadreieck beschrieben.

[4]  https://www.gesunde-entwicklung.de/tl_files/user_upload/docs/Petzold-Kohaerenzsystem.pdf 

[5] Petzold TD (Hrsg.)(2012): Vertrauensbuch – zur Salutogenese. Bad Gandersheim: Verlag Gesunde Entwicklung

[6] Siehe auch www.globale-ethik-blog.net

Wir sind Gefangene unseres Wirtschaftssystems!

Dr. Dieter Korczak

Seit das Corona-Virus in unser aller Leben getreten ist, hat die Sorge um unsere Gesundheit die höchste Priorität. Als ob das Corona-Virus uns als apokalytischer Reiter eine Pest biblischen Ausmaßes bescheren würde. Millionen würden vorzeitig sterben, menetekelten Virologen. Deshalb holte die deutsche Regierung den „Hammer“ heraus und veranlasste den weitestgehenden Stillstand unseres sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Dieser Stillstand dauert jetzt schon vier Wochen. Seit Mittwoch (22. April) dürfen die Geschäfte wieder öffnen. Aber Veranstaltungen sind weiter abgesagt, Mecklenburg-Vorpommern schottet seine Grenzen weiter gegen die „deutschen Brüder und Schwestern“ ab, Künstler und Gastronomen dürfen weiter darben und Hartz4 beantragen. Der Hotel- und Gaststättenverband prognostiziert, dass jedes dritte Restaurant oder Hotel Pleite gehen wird. Die Solo-Selbständigen und Freiberufler in der Musikbranche, Filmwirtschaft sowie die darstellenden KünstlerInnen haben Einnahmeeinbußen von bis zu 100%, die Fischbuden an der Ostsee ebenfalls.

Geht es bei diesen Maßnahmen, die auf dem schwankenden Boden von Halb-Wissen getroffen werden, wirklich um unsere Gesundheit? Oder werden wir in kollektive Geiselhaft genommen, weil die staatliche Vorsorge im Gesundheitsschutz und in der Katastrophenbekämpfung kläglich versagt hat, da sie sich nur an Profitzahlen orientiert hat? Ein Gutachten, das die Bundesregierung 2013 dem Deutschen Bundestag vorgelegt, verstärkt diesen Eindruck. https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf

In diesem Gutachten wird prognostiziert, dass eine Epidemie mit Corona-Viren in Deutschland zu mindestens 7,5 Mio. Toten in drei Jahren führen wird. „Das Gesundheitssystem wird vor immense Herausforderungen gestellt, die nicht bewältigt werden können“, heißt es dort ebenfalls und vieles andere mehr.

Keiner der seit 2013 verantwortlichen Politiker sollte sagen, er hat es nicht gewusst und sei überrascht worden. Das gilt natürlich insbesondere für unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel.

Warum wurde diese bundesbehördliche Risikoanalyse nicht ernst genommen? Weil eine entsprechende Risikovorsorge nicht in das neoliberale Konzept der Profitmaximierung passt. Deshalb musste jetzt der „Hammer“ herausgeholt werden, damit die Ausbreitung des Virus etwas verlangsamt werden konnte. Zwar wurde schon in der Risikoanalyse darauf hingewiesen, dass die über 65-jährigen die sein werden, die in erster Linie an dem Virus sterben werden. So ist es auch. 85% der Verstorbenen mit oder an Covid-19 sind älter als 70 Jahre. Nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Dänemark. Es geht also darum, diese Altersgruppe zu schützen. Deshalb muss man aber nicht das ganze gesellschaftliche Leben lahmlegen.

Wie heißt es noch in der Definition der WHO: Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen. Leben retten ist mehr als der Anschluss an Beatmungsgeräte. In einem weiteren Sinne gehört dazu auch ein würdiges Sterben im Kreise seiner Liebsten und Freunde und nicht umgeben zu sein von lebensverlängernden Geräten. Wo werden die traumatisierenden Wirkungen für die Angehörigen der Kontaktsperre in den letzten Lebensstunden bedacht? Es geht also gleichberechtigt auch um unser geistiges und soziales Wohlbefinden, wenn wir die Gesundheit schützen wollen. Das Einschränken unserer Grundrechte, das Einschränken von Reise- und Versammlungsfreiheit, die Reduzierung oder Verunmöglichung der bezahlten Berufsausübung, ist deshalb eine massive Attacke auf unsere Gesundheit. Deshalb plädiere ich für eine sofortige Rücknahme aller Einschränkungen und erwarte Gesetze, die das Vorsorgeprinzip umsetzen. Händewaschen und Abstand halten haben wir jetzt sicherlich alle ausreichend gelernt.